10 Jahre Innovation: SciCatCon 2026 am MLZ Garching

Das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) in Garching war kürzlich Gastgeber der SciCatCon 2026, die die internationale wissenschaftliche Daten-Community der Photonen- und Neutronenforschung zusammenbrachte. SciCat wird von Großforschungsanlagen wie dem MLZ genutzt und ist ein von der Community getriebener Metadaten-Katalog, um experimentelle Daten zu indexieren, zu strukturieren und auffindbar zu machen. Die diesjährige Konferenz markierte das 10-jährige Bestehen des Open-Source-Metadatenkatalog-Projekts (https://www.scicatproject.org/), das im Jahr 2016 ins Leben gerufen wurde. Begrüßt vom wissenschaftlichen Direktor des MLZ, Prof. Dr. Christian Pfleiderer (Technische Universität München (TUM)), versammelten sich internationale Experten, Entwickler und Data Stewards im Besprechungsraum des Jülich Centre for Neutron Science (JCNS), um wichtige institutionelle Updates auszutauschen und die Zukunft des FAIRen (Findable, Accessible, Interoperable, and Reusable) Forschungsdatenmanagements aktiv mitzugestalten.

Im Verlauf von drei Tagen beleuchtete die Konferenz die Fortschritte an großen europäischen Forschungseinrichtungen sowie bei wichtigen Industriepartnern und zeigte, wie SciCat zunehmend von Großforschungsanlagen genutzt wird. Die Teilnehmenden erhielten wertvolle Einblicke durch umfassende institutionelle Berichte vom MLZ, dem Institut Laue-Langevin (ILL), dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY), dem Paul Scherrer Institut (PSI) und dem Rosalind Franklin Institute (RFI).

Ein besonderes Highlight der Präsentationen war die von DECTRIS eingebrachte Industrieperspektive, die sich auf die Integration von SciCat in Cloud-Umgebungen konzentrierte, um die wissenschaftliche Reproduzierbarkeit zu unterstützen. Ein gemeinsamer Vortrag von MAX IV und der European Spallation Source (ESS) demonstrierte deren gemeinsame Anstrengungen bei der Entwicklung einer nutzerzentrierten SciCat-Schnittstelle. Darüber hinaus wurde die Konferenz um eine bibliothekarische Perspektive erweitert, die verdeutlichte, wie moderne Metadatenkatalogisierung die Lücke zwischen experimentellen Rohdaten und der formellen digitalen Archivierung schließt.

Die technischen Sitzungen konzentrierten sich auf Software-Engineering und Daten-Workflows. Die Vortragenden stellten hochgradig automatisierte Metadatenflüsse vor, die für nahtlose, automatisierte Publikationsprozesse konzipiert sind. Innovationen zeigten sich auch bei Verbesserungen der Benutzeroberfläche, wie etwa der Implementierung von Server-Sent Events (SSE), um Echtzeit-Aktualisierungen von Datensatz-Tabellen direkt im Browser zu ermöglichen. Zudem befassten sich fortgeschrittene Beiträge mit der schema-gesteuerten Metadaten-Kuration unter Nutzung von BlissData, was die Integration von DOI-fähigen Workflows und Strahlzeit-Datendiensten direkt ab dem Moment der Messung vereinfacht.

Um das wachsende Projekt zu unterstützen und eine nachhaltige, langfristige Entwicklung zu gewährleisten, wurde eine neue Governance-Struktur offiziell angekündigt. Das Projekt verabschiedet sich von der traditionellen Struktur mit einer einzelnen Leitung und geht zu einem kollektiven Führungsmodell mit drei Projektleitern über. Dieses neue Governance-Framework ist darauf ausgelegt, die Verantwortlichkeiten effektiver auf die hauptbeteiligten Institutionen zu verteilen und ein breiteres Engagement der Community zu fördern.

Am zweiten und dritten Tag fanden praxisorientierte Breakout-Sessions statt, in denen die Teilnehmenden in sieben strategischen Schlüsselbereichen zusammenarbeiteten: UI/UX-Redesign, „Inside the Data“-Architekturen, Verbesserungen der Code-Qualität, Cloud- und On-Premise-Deployments, Performance-/Optimierungs-Engpässe, koordinierte Release-Strategien, Autorisierung sowie die Umstrukturierung der Projektdokumentation.

Abseits des intensiven Fachprogramms boten die Organisatoren hervorragende Networking-Möglichkeiten, darunter geführte Touren zu den Instrumenten und dem Forschungsreaktor auf dem Campus Garching sowie ein gemeinsames Abendessen. Diese Kombination aus fachlicher Tiefe und Community-Building unterstrich den Wert von SciCat für moderne wissenschaftliche Dateninfrastrukturen.

Die Veranstaltung endete mit einer Sitzung zur Erfassung und Priorisierung von Arbeitspaketen für das kommende Jahr. Diese werden in die Roadmap für das nächste Jahr einfließen, die vom SciCat-Steuerungskomitee in den kommenden Wochen ausgearbeitet wird.

Für alle, die sich für die detaillierten Präsentationen, Foliensätze und weitere Workshop-Materialien interessieren: Alle Vorträge sind auf der offiziellen Indico-Seite der Veranstaltung öffentlich zugänglich: https://indico.frm2.tum.de/e/scicat2026

Die Veranstaltung wurde vom lokalen Organisationsteam, bestehend aus Christian Felder (FZJ), Alexander Zaft (FZJ), Björn Pedersen (TUM) und Florian Koch (TUM), nahtlos organisiert. Ihnen gilt ein besonderer Dank für die hervorragende Koordination und Gastfreundschaft. Ebenso gilt unser aufrichtiger Dank allen Referenten und Teilnehmenden für ihre wertvollen Beiträge und ihren kollaborativen Geist. Vielen Dank an alle, die diese Jubäumsausgabe zu einem vollen Erfolg gemacht haben und die das nächste Jahrzehnt von SciCat gemeinsam mitgestalten!

Autoren: Christian Trageser, Christian Felder, Alexander Zaft, Björn Pedersen, Floarian Koch, Grunwaldt, Jan-Dierk

Teilnehmer der SciCatCon 2026 am MLZ